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Herthas Neuanfang
Markus Babbel hat bei seinem ersten Auftritt als Cheftrainer von Hertha BSC von den Fans mächtig Rückenwind bekommen.
Bei der Aussprache der Club-Führung mit rund 920 Mitgliedern im ICC unter dem Titel «Hertha im Dialog» entschloss sich der 37-jährige, der sich entgegen der ursprünglichen Absicht, auf «Effekthascherei» zu verzichten, überraschend zu einem fünfminütigem Spontanauftritt.
Die Idee, die zurückliegende Katastrophen-Saison auf diese Weise aufzuarbeiten und zugleich vorauszublicken, hatte der Vorsitzende des Hertha-Ältestenrates Wolfgang Holst. Der 37-jährige Babbel fand sofort die richtigen Worte in der Sprache des «Hertha-Volkes» und erntete minutenlangen Beifall für seine kurze Ansprache. «Viele werden sich fragen, warum ich zu Hertha komme. Meine Antwort: ich muss in die Stadt, wo ich als Spieler ständig auf den Sack bekommen habe. Ich will diese Fans in der Ostkurve im Rücken haben, nicht gegen mich.» Es sei ihm ein Anliegen gewesen, «heute hier gewesen zu sein», erklärte er. Denn, so Babbel im schönsten Bayerisch, «wie ihr selbst in dieser schwierigen Situation hinter der Mannschaft gestanden seid, das war absoluter Wahnsinn».
Sein Ziel sei es, sagte er, gemeinsam den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen und die Fans zu begeistern. Man dürfe sich nicht auseinander dividieren lassen, auch wenn die Aufgabe gewiss nicht einfach werde. «Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Qualität für den Wiederaufstieg da ist. Berlin gehört in die 1. Liga. Ich bin stolz, jetzt Hertha-Trainer zu sein.»
Auch Präsident Werner Gegenbauer, Manager Michael Preetz, der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Ingo Schiller und weitere Präsidiumsmitglieder beantworteten in einer von Hertha-Idol und TV- Journalist Axel Kruse moderierten Runde zweieinhalb Stunden lang Fragen der Mitglieder. Anders als bei vielen Hertha-Versammlungen der jüngeren Geschichte war die Atmosphäre dabei sehr sachlich und positiv.
Bei der Aussprache wurde auch eine Reihe weiterer Personalien behandelt. So teilte Preetz mit, dass der Cottbuser Torwart Gerhard Tremmel definitiv nicht zu Hertha BSC wechseln werde. Nun sind Michael Rensing (Bayern München), Markus Miller (Karlsruher SC) und auch Timo Hildebrand (Hoffenheim) als Nachfolger des scheidenden Jaroslav Drobny im Gespräch. Nach Medienberichten hat aber Neu- Trainer Markus Babbel die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben, den Tschechen trotz der Ablehnung des Vertrags-Angebotes weiter zu binden. Am Mittwoch war zudem bekannt geworden, dass Mittelfeldspieler Lukasz Piszczek ablösefrei zu Borussia Dortmund wechselt. Der 25-Jährige erhielt einen Vertrag bis 2013.
Bei dem Forum bezifferte Geschäftsführer Schiller den aktuellen Schuldenstand der Hertha auf 35 bis 36 Millionen Euro. Durch die Verpflichtungen in der Winterpause sei er von den ursprünglichen 33 Millionen weiter angestiegen. Die Lizenz aber sei sicher. «Unsere Finanzlage ist stabil. Alles ist voll durchfinanziert», so Schiller.
Angriffe gegen die aktuelle Hertha-Führung blieben selten und eine Ausnahme. Die vereinzelte Aufforderung zum Rücktritt, die die «Hertha-Opposition» mit Anwahlanträgen bei der offiziellen Mitgliederversammlung am 31. Mai wiederholen will, konterte Gegenbauer kämpferisch: «Wenn die Sonne wieder scheint, sich vom Acker machen. Das werde ich nicht tun. Ich werde mit meinem Portemonnaie nach wie vor versuchen, die Portemonnaies von größeren Unternehmen für Hertha zu öffnen.»









