Vereinschef vor Gericht

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Seit Freitag wird dem Vorsitzenden des Berliner Frauennothilfe-Vereins Hatun & Can vor dem Berliner Landgericht der Prozess gemacht. Gleich zum Auftakt wies die Verteidigung die Anklage als rechtswidrig zurück.

 

Der Vereinschef soll Spendengelder von 690 000 Euro erschlichen und einen Teil davon für seinen privaten Luxus ausgegeben haben. Der Verein war nach dem Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü gegründet worden, um Frauen zu helfen, die von Zwangsheirat und Gewalt bedroht sind. Er ist nach Hatun und ihrem kleinen Sohn benannt, der nach dem Mord in eine Pflegefamilie kam.

Noch bevor die Anklage am Landgericht verlesen wurde, stellte Verteidiger Hubert Dreyling einen Befangenheitsantrag und trug knapp zwei Stunden vor, warum er die Vorwürfe für «absurd, boshaft und abenteuerlich» hält. Der 41-jährige Vereinschef habe sich nicht bereichert, vielmehr habe er viele Helfer, die Hartz IV-Leistungen bezogen, in bar und schwarz bezahlt, so der Verteidiger.

Der Angeklagte selbst habe in erbärmlichen Verhältnissen gelebt. Zudem sei er Vertrauensmann des Verfassungsschutzes gewesen und in dieser Funktion in Bordellen und Bars unterwegs gewesen. Die Staatsanwaltschaft wies den Vorwurf einer willkürlichen Anklage zurück.

Der Vereinschef sitzt seit Ende März in Untersuchungshaft. Auch «Emma»-Chefredakteurin Schwarzer gehörte zu den Spendern, sie überwies eine halbe Million Euro auf das Vereinskonto. Die Feministin hatte die Summe bei einer Prominentenausgabe der RTL- Show «Wer wird Millionär?» gewonnen. Mit ihrer Anzeige kamen die Ermittlungen ins Rollen. Laut Anklage bekamen aber nur wenige Frauen Unterstützung.

 
Friday, den 29.October 2010

 
 

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