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Internetseite erlangt zweifelhafte Berühmtheit
Die Berliner Parteien haben auf den Gewaltausbruch im Zusammenhang mit dem Internetmobbing mit Appellen und Schuldzuweisungen reagiert. CDU und FDP sehen ein Versagen des Senats, die Regierung wiederum meint, Diskussionen über das Internet könnten für die Schüler hilfreich sein. Eine schnelle und harte Bestrafung der jugendlichen Gewalttäter, die einen 17-Jährigen zusammenschlugen, weil er seine Freundin vor Mobbing im Internet beschützen wollte, fordern alle gemeinsam.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Henkel bezeichnete die Gewalt und die Diffamierungsseite im Internet am Mittwoch als empörend und verlangte Maßnahmen gegen «Versäumnisse des Senats»: «In den Schulen muss dringend über die Gefahren des Internets und des Cybermobbings aufgeklärt werden.»
Die FDP meint: «Berlin hat die Vermittlung derartiger Medienkenntnisse in den Schulen leider bisher gänzlich vernachlässigt.» Die Grünen forderten einen Fairnesskodex, den Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam erarbeiten müssten. Dieser könne den respektvollen Umgang miteinander wie auch den Gebrauch des Internets regeln. Entscheidend sei aber: «Es darf nicht weggeschaut werden, wenn geschmäht und gedemütigt wird.»
Die SPD teilt hingegen mit, Berlin sei beim «Medienkompetenztraining» für Kinder und Jugendliche «vorbildlich». Das Schulklima könnte aber positiv beeinflusst werden, indem Lehrer und Eltern mit Schülern über anonyme Schmähungen im Internet diskutieren würden.
Eine Gruppe von 20 Jugendlichen aus den Stadtteilen Wedding und Reinickendorf schlug den 17-Jährigen am Samstagabend krankenhausreif. Der junge Mann wollte seine Freundin vor massiven Beleidigungen auf einer berüchtigten Internetplattform durch ihre Mitschülerinnen beschützen.
Die Polizei nahm am Montag sechs mutmaßliche Täter fest. Drei wurden dem Haftrichter vorgeführt, mussten aber nicht in Untersuchungshaft, sondern konnten wieder nach Hause gehen. Unter ihnen ist ein 16-Jähriger, der nach Polizeiangaben von der Staatsanwaltschaft als sogenannter Intensivtäter beobachtet wird. Staatsanwalts-Sprecher Martin Steltner sagte, wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen schweren Körperverletzung werde jetzt weiter ermittelt, um eine Anklage zu erstellen.
Gemobbt wurde die Freundin des Opfers auf der Internetseite isharegossip.com (Ishare - ich teile; Gossip - Gerücht), die mittlerweile traurige Berühmtheit erlangte. Hier tauchten in den vergangenen Wochen auch Amokdrohungen auf, nach denen Schulen in Berlin kurz geschlossen blieben. Anonyme Schüler beschimpfen auf der Seite in zum Teil heftiger und abwertender Gossensprache Mitschüler. Häufig werden Mädchen runtergemacht, oft beleidigen sich auch deutschstämmige Jugendliche und Schüler mit ausländischen Wurzeln gegenseitig. Die Betreiber der Seite werben damit, dass die Schreiber nicht ermittelt werden können.









