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Hertha: Die alte Dame will sich feiern lassen
372 Tage nach dem Abstieg aus der Eliteliga will Hertha BSC den «Betriebsunfall» vor neuer Rekordkulisse endgültig vergessen machen. Beim letzten Punktspiel der glänzenden Zweitliga-Saison erhält beim Berliner Aufsteiger der 35-jährige Oldie Pal Dardai, mit 286 Einsätzen der Rekord-Bundesligaspieler, am Sonntag gegen den FC Augsburg sein Abschiedsspiel.
Nach Aufbau von Zusatztribünen werden 77 116 Fans im seit Wochen ausverkauften Olympiastadion die Übergabe der «Felge», der Meistertrophäe der 2. Bundesliga, bejubeln können. Damit verbucht Hertha BSC einen Zuschauer-Rekord für die eingleisige 2. Liga und überbietet die eigenen Bestmarke vom April 1997, als 75 000 Fans das Stadion bevölkerten. Nur wenige Hundert fehlen damit den Berlinern zum generellen Zweitliga-Rekordbesuch, den 1860 München 1977 gegen den Vfb Stuttgart mit 77 573 Zuschauern fixierte.
Zudem toppt Hertha mit insgesamt 784 221 Besuchern auch den Gesamtzuschauer-Rekord des 1. FC Köln aus dem Jahr 2007/08 (751 400) um mehr als 30 000 Besucher. Hertha gehört mit durchschnittlich 46 130 Zuschauern pro Spiel nun zu den Top 30 in Europa.
Während die Fans zum Saison-Halali ihren nach Sperren wieder auflaufenden Stürmer-Stars Pierre-Michel Lasogga und Raffael zujubeln können, fehlt Mittelfeldlenker Peter Niemeyer wegen eines Abszesses im Gesicht. In dieser Woche musste er sich in einer Berliner Klinik eine Operation unterziehen und hofft nun, wenigstens auf der Tribüne mitfeiern zu können.
Einen bewegenden Abschied wird es hingegen für den Ungarn Dardai geben. «Wir wollen einen würdigen Abschied für diesen verdienten Spieler», sagte Trainer Markus Babbel über den Oldie, der zuletzt nur im 2. Team gespielt hatte. Das Fan-Transparent «Dank für 14 Jahre Treue» erfreute Dardai bereits auf dem Weg zum Training. «Ich will immer bei Hertha bleiben», verkündete der Ungar, der noch ein Jahr der U23 zur Verfügung steht und Betreuer-Aufgaben im Nachuchsbereich übernimmt.
Babbel hofft am Sonntag natürlich auf einen Erfolg. «Wir wissen, dass es zum Ende nicht mehr ganz so hart zur Sache gehen wird. Aber nach einem Sieg die Meisterschale zu bekommen, wäre eine tolle Sache», sagte Babbel. «Ich habe diesen Ehrgeiz. Ich hoffe nur, die Spieler haben ihn auch. Aber es kann auch ein Sommerkick werden», befürchtet Babbel.
Der Bayer hat gemeinsam mit Manager Michael Preetz mit Tunay Torun (HSV) und Thomas Kraft (Bayern) bereits zwei Jungstars für die kommende Saison in die Hauptstadt gelotst. Und nun wünscht sich Babbel die Zusage vom nächsten Bayern Andreas Ottl. «Ich hoffe er entscheidet sich noch vor dem Urlaub für uns», sagte Babbel. «Die Entscheidung von Thomas Kraft war sicher ein Signal an andere, dass wir hier mit jungen Leuten etwas erreichen wollen», meinte Michael Preetz.
Umrahmt wird die Meisterfeier in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit von einem großen Showprogramm im Stadion. Nach dem Match spielen die Band Culture Candela und Hertha-Hymnen-Sänger Frank Zander live. Zur internen Vereins-Feier sind am Sonntagabend dann 1000 Gäste auf die Insel Eiswerder geladen.
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